Friedrich CerhaBaal Gesänge - Requiem für Rikke
Best-Nr:Q2607
Barcode:800679260725
VÖ Datum:25.09.2026
Label:Quinton Records
Labelcode:99999
Stil:Klassik/Allgemein

Mit „Baal und seine Gesänge“ sowie dem „Requiem für Rikke“ stehen zwei zentrale Werke Friedrich Cerhas im Mittelpunkt, die exemplarisch für sein musikdramatisches Schaffen und seine intensive Auseinandersetzung mit den existenziellen Fragen des Menschen stehen.

Beide Werke zeigen Friedrich Cerha als Komponisten, der Musik nicht als abstraktes Klangereignis versteht, sondern als eindringliche Reflexion über Freiheit, Gewalt, gesellschaftliche Zwänge und die Bedingungen menschlicher Existenz. Seine Werke verbinden höchste kompositorische Präzision mit existenzieller Ausdruckskraft und zählen zu den bedeutendsten musikdramatischen Schöpfungen der österreichischen Moderne.

Cerha verstand seine großen Bühnenwerke als Formen eines modernen Welttheaters. Im Mittelpunkt steht nicht die Illustration literarischer Vorlagen, sondern die Untersuchung des Spannungsverhältnisses zwischen Individuum und Gesellschaft – eines Themas, das den Komponisten seit den frühen 1950er-Jahren beschäftigte. In „Baal“, nach Bertolt Brechts frühem Drama, findet diese Auseinandersetzung ihre wohl radikalste Ausprägung.

Cerhas Baal ist kein romantischer Außenseiter und kein revolutionärer Held. Er verkörpert den kompromisslosen Menschen, der sich gesellschaftlichen Erwartungen und vorgegebenen Lebensentwürfen verweigert. Getrieben von einem unstillbaren Hunger nach Leben und Freiheit, sucht er einen Ort, „wo es besser zu leben ist“, und gerät dabei immer tiefer in Isolation und Untergang. Für Cerha wird Baal zum Sinnbild eines Menschen, der die Bedingungen für ein selbstbestimmtes Leben nicht vorfindet und gerade an dieser Unmöglichkeit zerbricht.

Die zwischen 1974 und 1980 entstandene Oper markiert zugleich einen Wendepunkt in Cerhas musikalischer Entwicklung. Unterschiedliche kompositorische Ebenen – Natur, Gesellschaft und individueller Ausdruck – greifen ineinander und bilden eine organisch verwobene musikalische Sprache. Klangflächen, dichte Tonfelder, komplexe Polyrhythmik und expressive Deklamation verbinden sich mit einer Gesangslinie, die sich eng am natürlichen Sprachduktus orientiert. Die Grenzen zwischen Sprechen und Singen werden dabei bewusst fließend gestaltet.

Die Baal-Gesänge , 1981 als eigenständiger Konzertzyklus zusammengestellt, vereinen die zentralen musikalischen Nummern der Oper. Verbunden durch instrumentale Zwischenspiele entfalten sie ihre Wirkung auch außerhalb des Bühnenkontextes und eröffnen einen konzentrierten Blick auf die musikalischen und dramaturgischen Schlüsselstellen des Werkes. Lieder wie die „Legende von der Dirne Evelyn Roe“, das „Lied vom ertrunkenen Mädchen“, die „Arie des Bettlers“ oder das „Lied vom Tod im Wald“ spiegeln Baals existenzielle Suche ebenso wie seine unauflösliche Verbindung zur Natur und seine zunehmende Vereinsamung.

Das Requiem für Rikke entstammt Cerhas Oper „Der Rattenfänger“ und bildet den zweiten Teil eines Triptychons für Tenor und Orchester. Die Totenklage gilt dem lebenshungrigen Mädchen Rikke, das der Gewalt politischer und gesellschaftlicher Macht zum Opfer fällt. Über das individuelle Schicksal hinaus versteht Cerha das Werk als Klage über die unzähligen Menschen, deren Leben im Laufe der Geschichte im Namen ideologischer oder politischer Interessen sinnlos vernichtet wurden. Eingebettet in musikalische Szenen aus „Der Rattenfänger“ verbindet das Requiem persönliche Trauer mit universeller Humanität. Ein choralartiges Zwischenspiel verweist zugleich auf Hoffnung und Aufbruch: Es begleitet jene jungen Menschen, die die Welt ihrer Eltern verlassen, um nach einer lebenswerteren Zukunft zu suchen.

Über Friedrich Cerha

Friedrich Cerha wurde 1926 in Wien geboren. Schon vor Abschluss des Gymnasiums leistete er als Luftwaffenhelfer aktiven Widerstand, desertierte zweimal von der deutschen Wehrmacht und erlebte das Kriegsende als Hüttenwirt in den Tiroler Bergen. Ab 1946 studierte er an der Akademie für Musik in Wien Violine, Komposition und Musikerziehung sowie an der Universität Wien Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie. Zunächst war er als Geiger tätig und stand einerseits in engem Kontakt zur avantgardistischen Untergrundszene junger Maler und Literaten rund um den Art-Club, andererseits zum Schönberg-Kreis der österreichischen Sektion der IGNM.1958 gründete er gemeinsam mit Kurt Schwertsik das Ensemble „die reihe“, das in den folgenden Jahren Pionierarbeit bei der Aufführung von Werken der Avantgarde, der Zweiten Wiener Schule und der klassischen Moderne leistete.

Von 1959 an lehrte Friedrich Cerha an der Hochschule für Musik in Wien, wo er von 1976 bis 1988 eine Professur für Komposition, Notation und Interpretation Neuer Musik innehatte. Von 1960 bis 1997 war er als Dirigent mit renommierten Ensembles und Orchestern bei international führenden Institutionen für Neue Musik sowie bei bedeutenden Festivals tätig, darunter die Salzburger Festspiele, die Berliner Festwochen, die Wiener Festwochen, die Biennale Venedig, der Warschauer Herbst, das Festival d’Automne in Paris, das Jyväskylä-Festival, Musica Viva München, Nutida Musik Stockholm, Neues Werk Hamburg und Musik der Zeit Köln. Darüber hinaus dirigierte er an bedeutenden Opernhäusern wie den Staatsopern in Wien, Berlin und München sowie am Teatro Colón in Buenos Aires.

Mit der Herstellung einer spielbaren Fassung des dritten Aktes von Alban Bergs Oper „Lulu“ (1963–1978, Uraufführung 1979 in Paris) erschloss Cerha der Musikwelt eines der bedeutendsten Opernwerke des 20. Jahrhunderts und erlangte damit internationale Anerkennung. Zu seinen eigenen Opern zählen „Baal“, uraufgeführt 1981 bei den Salzburger Festspielen, „Der Rattenfänger“ (1987, Steirischer Herbst), „Der Riese vom Steinfeld“ (2002, Wiener Staatsoper) sowie „Onkel Präsident“ (2013, Prinzregententheater München). Alle seine Bühnenwerke thematisieren auf unterschiedliche Weise das ihn zeitlebens beschäftigende Verhältnis von Individuum und Gesellschaft. Sein Gesamtwerk umfasst Solo-, Ensemble-, Chor-, Orchester- und Bühnenwerke. Er erhielt Aufträge von zahlreichen bedeutenden Institutionen und Festivals, darunter die Koussevitzky Foundation New York, BNP Paribas Paris, der Südwestfunk Baden-Baden, der Westdeutsche Rundfunk, Musica Viva München, das Konzerthaus Berlin, der Steirische Herbst Graz, das Festival de Música de Canarias, das Konzerthaus Wien, der Musikverein Wien sowie die Wiener Philharmoniker.

Für sein Schaffen wurde Cerha vielfach ausgezeichnet. Zu seinen wichtigsten Ehrungen zählen das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (2006), der französische Orden „Officier des Arts et des Lettres“, der „Goldene Löwe“ der Biennale Venedig für sein Lebenswerk, der Musikpreis Salzburg (2011) sowie der Ernst von Siemens Musikpreis (2012).

  • 1Ichtyosaurus Parabel03:42
    Musik: Friedrich CerhaText: Bertolt BrechtVerlag: Universal EditionISRC: ATQ042607001
  • 2Legende der Dirne Evlyn Roe08:28
    Musik: Friedrich CerhaText: Bertolt BrechtVerlag: Universal EditionISRC: ATQ042607002
  • 3Sommerlied04:17
    Musik: Friedrich CerhaText: Bertolt BrechtVerlag: Universal EditionISRC: ATQ042607003
  • 4Loblied auf den Abort02:30
    Musik: Friedrich CerhaText: Bertolt BrechtVerlag: Universal EditionISRC: ATQ042607004
  • 5Couplet01:28
    Musik: Friedrich CerhaText: Bertolt BrechtVerlag: Universal EditionISRC: ATQ042607005
  • 6Arie des Bettlers05:51
    Musik: Friedrich CerhaText: Bertolt BrechtVerlag: Universal EditionISRC: ATQ042607006
  • 7Lied vom ertrunkenen Mädchen05:11
    Musik: Friedrich CerhaText: Bertolt BrechtVerlag: Universal EditionISRC: ATQ042607007
  • 8Der Tod im Wald05:22
    Musik: Friedrich CerhaText: Bertolt BrechtVerlag: Universal EditionISRC: ATQ042607008
  • 9Von Sonne krank06:16
    Musik: Friedrich CerhaText: Bertolt BrechtVerlag: Universal EditionISRC: ATQ042607009
  • 10Baals Tod05:39
    Musik: Friedrich CerhaText: Bertolt BrechtVerlag: Universal EditionISRC: ATQ042607010
  • 11Requiem für Rikke10:49
    Musik: Friedrich CerhaText: Carl ZuckmayerVerlag: Universal EditionISRC: ATQ042607011

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Booklet
Musiker
  • Bertolt Brecht: Text (Tracks Nr 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10)
  • Carl Zuckmayer: Text (Track Nr 11)
  • Kenneth Riegel: Tenor (Track Nr 11)
  • Radio-Symphonieorchester Wien: Dirigent: Friedrich Cerha
  • Theo Adam: Bariton (Tracks Nr 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10)
Produzent
  • Andreas Rathammer
Aufnahme Studio
  • Baal Gesänge: 19.10.1984 im Großen Saal des Wiener Konzerthauses
  • Requiem für Rikke: 12.05.2000 im Großen Saal des Wiener Musikvereins
Aufnahmeland: ÖsterreichC2026 Quinton RecordsP2026 Quinton Records