Miniatures für Violine und Klavier
Auf diesem Album widmet sich Joji Hattori gemeinsam mit dem Pianisten Joseph
Seiger – langjährigem Klavierpartner des legendären Geigers Mischa Elman – in zwei
zusammengeführten Programmen dem Schaffen Fritz Kreislers (1875–1962). Der
Wiener Geiger und Komponist, selbst einer der bedeutendsten Virtuosen seiner Zeit,
verband in seinen Miniaturen kunstvolle Melodik mit tänzerischer Leichtigkeit: von den
weltberühmten Stücken „Liebesfreud“ und „Liebesleid“ über „Schön Rosmarin“ bis zu
seinen raffinierten Pastiche-Kompositionen im Stil alter Meister.
Ein Wunderkind zwischen Wien und
Paris
Fritz Kreisler wurde am 2. Februar 1875
in Wien geboren und zeigte schon als
Kind außergewöhnliche musikalische
Begabung. Mit erst sieben Jahren wurde
er – jünger, als es die Statuten eigentlich
erlaubten – am Wiener Konservatorium
aufgenommen, wo er unter anderem bei
Jacob Dont Violine und bei Anton
Bruckner Musiktheorie studierte. Mit
zehn Jahren schloss er sein Studium mit
der Goldmedaille ab und wechselte
anschließend an das Pariser
Conservatoire, wo er bei Joseph Lambert
Massart Violine und bei Léo Delibes
Komposition lernte. Bereits mit zwölf
Jahren gewann er dort den Premier Grand
Prix – den höchsten Preis der Institution,
ausgezeichnet vor Absolventen, die teils
doppelt so alt waren wie er.
Im Alter von vierzehn Jahren debütierte
Kreisler in den Vereinigten Staaten mit
dem Boston Symphony Orchestra und
ging anschließend mit dem Pianisten
Moritz Rosenthal auf eine erfolgreiche
Tournee durch Amerika. Nach seiner
Rückkehr nach Wien überraschte er die
Musikwelt jedoch mit einer Kehrtwende:
Er legte die Geige vorerst beiseite, um
Medizin zu studieren, beschäftigte sich
mit Malerei in Paris und Rom und diente
schließlich als Offizier im
österreichischen Heer. Erst 1899 kehrte
er als Konzertgeiger auf die Bühne zurück
– und avancierte binnen weniger Jahre zu
einem der gefeiertsten Virtuosen seiner
Epoche, bekannt für seinen warmen,
singenden Ton, sein ausdrucksstarkes
Vibrato und einen eleganten, beinahe
gesanglichen Vortragsstil, der bis heute
als Maßstab violinistischer Klangkultur
gilt.
Vom Schützengraben auf die
Konzertbühnen der Welt
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs
wurde Kreisler in die österreichisch-
ungarische Armee einberufen und an die
russische Front geschickt, wo er im
Kampf schwer durch einen Bajonettstich
verwundet wurde. Nach seiner
ehrenvollen Entlassung aus dem
Militärdienst ließ er sich in den
Vereinigten Staaten nieder, denen er –
nach Jahren des Pendelns zwischen
Europa und Amerika – 1943 offiziell als
Staatsbürger beitrat. Von New York aus
setzte er seine internationale
Konzertkarriere fort und wurde zu einer
der prägendsten Geigerpersönlichkeiten
des 20. Jahrhunderts.
Der Komponist und sein berühmter Streich
Für seine Zugaben und Konzertprogramme komponierte Kreisler
eine Fülle kurzer, kunstvoller Charakterstücke – Miniaturen von
großer melodischer Erfindungsgabe, die bis heute zum festen
Repertoire jedes Geigers zählen. Einen Teil dieser Werke
veröffentlichte er zunächst unter den Namen barocker und
klassizistischer Komponisten wie Giuseppe Tartini, Gaetano Pugnani,
Padre Martini oder François Francoeur, mit der Begründung, es sei
„unangebracht und taktlos“, seinen eigenen Namen ständig auf den
Programmzetteln zu wiederholen. Erst 1935, an seinem sechzigsten
Geburtstag, offenbarte Kreisler in einem vielbeachteten Interview,
dass er sämtliche dieser vermeintlich wiederentdeckten „Klassiker“
selbst komponiert hatte – eine Enthüllung, die international für
Aufsehen sorgte und bis heute als eine der bemerkenswertesten
Episoden der Musikgeschichte gilt. Kreisler selbst begegnete der
Aufregung mit trockenem Humor: Der Name auf dem Programm, so
entgegnete er seinen Kritikern, ändere schließlich nichts an der
Qualität der Musik.
Neben seinen Miniaturen für Violine und Klavier schrieb Kreisler
auch größer angelegte Werke, darunter die Operetten „Apple
Blossoms“ (1919) und „Sissy“ (1932) sowie eine vielgespielte
Kadenz zu Beethovens Violinkonzert. 1941 wurde er in New York
von einem Lieferwagen erfasst und erlitt einen Schädelbruch, von
dem er sich nur langsam erholte. Dennoch kehrte er auf die Bühne
zurück und blieb bis 1947 im Konzertsaal sowie noch einige Jahre
darüber hinaus im Rundfunk aktiv. Fritz Kreisler starb am 29. Januar
1962 in New York – sein kompositorisches Erbe aus Wiener Charme,
ungarisch-zigeunerischer Klangfarbe und kunstvoller Salonmusik
prägt das Repertoire der Violine bis heute.
Das vorliegende Album versammelt insgesamt 45 Stücke aus
diesem Schaffen – darunter neben Kreislers eigenen Kompositionen
auch seine kunstvollen Bearbeitungen von Werken Dvořáks,
Tschaikowskys, Mendelssohns, Chopins, Rachmaninows und vieler
anderer Komponisten – und dokumentiert damit einen Großteil des
Repertoires, mit dem der Wiener Meister selbst die Konzertsäle der
Welt eroberte. Aufgenommen wurde die Sammlung 1995 in der All
Saints Church in Petersham, England.
Über Joji Hattori
Joji Hattori, Intendant des Wiener Opernsommers Belvedere,
erfreut sich einer sehr breitgefächerten Karriere als Künstler. Er
ist nicht nur bekannt als Dirigent und Geiger, sondern auch als
Entrepreneur von neuen, innovativen Projekten. Auch widmet er
sich zunehmend der Unterstützung junger Musiktalente.
Joji Hattori wurde 1969 in Japan geboren, verbrachte aber seine
Kindheit in Wien. Dort prägten regelmäßige Opern- und
Konzertbesuche sowie unzählige Hausmusikabende mit
führenden Wiener Musikern seine musikalische Entwicklung. Er
studierte Geige an der Wiener Musikhochschule unter Rainer
Küchl, später setzte er seine Studien bei Yehudi Menuhin und
Vladimir Spivakov fort. 1989 gewann er den Internationalen
Menuhin Violin-Wettbewerb in England. Nach einem Jahrzehnt
solistischer Tätigkeit nahm er 2002 am ersten Lorin Maazel
Dirigenten-Wettbewerb in New York teil, bei dem er einen der
Hauptpreise gewann; ein wichtiger Bestandteil dieses Preises
war die Möglichkeit, über zwei Jahre intensiv mit Lorin Maazel zu
studieren.
2004–2017 war Joji Hattori Ständiger Gastdirigent, 2018–2024
Erster Gastdirigent des Wiener KammerOrchesters, mit dem er
auf zahlreichen Tourneen in über 20 Ländern aufgetreten ist.
Zudem war er 2015–2019 Erster Gastdirigent und Ko-Intendant
des Balearischen Symphonieorchesters (Palma de Mallorca). Als
Gastdirigent leitete Hattori zahlreiche bedeutende Orchester,
darunter das Philharmonia Orchestra London, die Wiener
Symphoniker, die Slowakische Philharmonie, das Düsseldorfer
Symphonieorchester oder viele führende Symphonieorchester in
Japan.
Als Operndirigent debütierte Hattori 2004 an der Kammeroper
Wien mit Mozarts La Finta Giardiniera. 2007 bis 2008 war er
Erster Kapellmeister am Theater Erfurt und 2009 bis 2021
Chefdirigent und Musikalischer Leiter des Open-Air Opern-/
Operettensommerfestivals in Kittsee. 2009 dirigierte er an der
Wiener Staatsoper drei Aufführungen der Zauberflöte.
Wiederholt arbeitete er auch am New National Theatre Tokyo,
dem ersten Opernhaus Japans.
Zusätzlich zu seiner Konzerttätigkeit ist Joji Hattori Präsident der
Musica Juventutis Österreich, Vizepräsident des Internationalen
Menuhin Violinwettbewerbs und seit 2003 Ehrenmitglied der
Royal Academy of Music in London. Darüber hinaus studierte er
Sozialanthropologie an der Universität Oxford (St. Antony
College) und widmet sich der Forschung im Bereich der
nationalen Identitäten.
Seit 2015 ist er auch Betreiber von Shiki, einem exklusiven
japanischen Restaurant in Wien.
1Caprice Viennois, Op.204:06

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603001
2Serenade espagnole, Op.24 (Chaminade, arr. Fritz Kreisler)02:11

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603002
3Marche miniature viennoise02:58

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603003
4Slavonic Dance in E minor, Op.72-2 (Dvořák, arr. Fritz Kreisler)04:35

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603004
5Preghiera in the style of Martini03:34

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603005
6La Gitana03:13

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603006
7Lotus Land, Op.47-1 (Scott, arr. Fritz Kreisler)04:17

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603007
8Sicilienne and Rigaudon in the Style of Francoeur04:28

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603008
9Lieder ohne Worte, Op.109 (Mendelssohn, arr. Fritz Kreisler)02:49

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603009
10Chant sans paroles, Op.2-3 (Tchaikovsky, arr. Fritz Kreisler)02:48

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603010
11Liebesfreud03:27

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603011
12Liebesleid03:23

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603012
13Schön Rosmarin02:04

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603013
14Slavonic Phantasy (Dvořák, arr. Fritz Kreisler)04:47

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603014
15Rhapsody on a Theme of Paganini, Op.43, Var.XVIII (Rachmaninoff, arr. Fritz Kreisler)02:47

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603015
16Frasquita Serenade (Lehár, arr. Fritz Kreisler)02:30

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603016
17Londonderry Air (Traditional, arr. Fritz Kreisler)03:36

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603017
18Praeludium and Allegro in the style of Pugnani05:30

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603018
19Aucassin and Nicolette, Canzonetta medievale01:57

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603019
20Tango, Op.165-2 (Albéniz, arr. Fritz Kreisler)02:22

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603020
21Midnight Bells (Heuberger, arr. Fritz Kreisler)03:10

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603021
22Tambourin Chinois, Op.303:48

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603022
23Danza española from 'La vida breve' (Falla, arr. Fritz Kreisler)03:46

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603023
24Humoresque in G major, Op.101-7 (Dvořák, arr. Fritz Kreisler)03:15

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603024
25Poupée valsante (Poldini, arr. Fritz Kreisler)02:33

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603025
26Chanson de Louise XIII et Pavane dans le style de Couperin03:30

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603026
27Variations on a Theme of Corelli in the style of Tartini03:56

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603027
28Melodie from 'Orfee et Euridice' (Gluck, arr. Fritz Kreisler)02:31

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603028
29Ballet Music No.2 from 'Rosamunde' (Schubert, arr. Fritz Kreisler)03:24

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603029
30Andantino in the style of Martini02:52

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603030
31Polichinelle01:41

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603031
32Serenade espagnole (Glazounov, arr. Fritz Kreisler)02:54

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603032
33Mazurkain A minor, Op.posth (Chopin, arr. Fritz Kreisler)02:48

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603033
34Chant hindou from 'Sadko' (Rimsky-Korsakov, arr. Fritz Kreisler)03:05

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603034
35Malagueña03:57

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603035
36Menuett in the style of Porpola04:24

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603036
37Aubade provencale in the style of Couperin02:22

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603037
38Allegretto in the style of Boccherini02:31

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603038
39Tambourin from 'Les fêtes d'Hébé' (Rameau, arr. Fritz Kreisler)02:35

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603039
40Rondino on a Theme by Beethoven02:40

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603040
41Toy Soldiers' March01:53

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603041
42Slavonic Dance in G minor, Op.72-1 (Dvořák, arr. Fritz Kreisler)03:25

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603042
43Dance of the Maidens, Op.48 (Friml, arr. Fritz Kreisler)02:33

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603043
44Syncopation02:03

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603044
45The Old Refrain based on 'Du alter Stefansturm' from 'Der liebe Augustin' (Brandl, arr. Fritz Kreisler)03:12

Musik: Fritz KreislerISRC: ATQ042603045
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