Die Musikerin, Aktivistin und ehemalige Poet Laureate der Vereinigten Staaten, Joy Harjo, präsentiert ihr neues Album „Insomnia and Seven Steps to Grace“, das bei Smithsonian Folkways erscheint. Produziert wurde es von der Grammy-Gewinnerin, Komponistin, Bassistin und Sängerin Esperanza Spalding.
Auf „Insomnia and Seven Steps to Grace“ bewegt sich Joy Harjo über ein fruchtbares Terrain an der Schnittstelle von Jazz und Poesie, wobei sie sich auf die improvisatorischen Aspekte beider Genres stützt. Gleichzeitig lässt sie Raum für klangliche Einflüsse aus Prog-Rock, Grunge und vor allem der traditionellen Musik der indigenen Gemeinschaften im gesamten Südwesten. „Dieses Musikprojekt hat in einer Zeit tiefgreifender Turbulenzen in unseren Gemeinschaft seinen Platz gefunden“, schreibt Harjo in den ausführlichen Liner Notes des Albums, die ihre Geschichte als Künstlerin, Dichterin und Musikerin nachzeichnen. Verspielt, provokativ und andächtig zugleich, ist „Insomnia and Seven Steps to Grace“ geprägt von kollektiven Umbrüchen, dem Vermächtnis der Vorfahren und der beständigen Kraft der Kunst, Zeugnis abzulegen und Wandel zu bewirken. Wie in ihren gefeierten Gedichtbänden erkundet Harjo ihre matriarchalische Abstammung, den Kampf um Gerechtigkeit für marginalisierte Völker und ihr eigenes kulturelles Erbe als Mitglied der Muscogee Nation. In der Reflexion darüber, was wir künftigen Generationen zeigen können, wenn diese zurückblicken, um zu sehen, wie wir auf Ungerechtigkeit reagiert haben, bemerkt Harjo: „Sie werden auf unsere Kunst schauen.“ In diesem Sinne „ist dieses Album ein Opfergabe.“
Die künstlerische Zusammenarbeit zwischen Joy Harjo und Esperanza Spalding entstand aus ihrer ersten Begegnung im Jahr 2017, als beide in Chicago mit einem „Art of Change“-Stipendium der Ford Foundation ausgezeichnet wurden. „Ich hatte Spaldings Kunstfertigkeit schon lange bewundert – ihre präzise Magie am Bass, in ihrer Stimme und in der Art, wie sie Verbindungen herstellt –, und zögerte, sie anzusprechen, weil ich so voller Ehrfurcht war“, schrieb Harjo. „Und dann standen wir da, als würden wir uns schon kennen.“ Aufgenommen im The Church Studio in Harjos Heimatstadt Tulsa, Oklahoma, bot „Insomnia and Seven Steps to Grace“ Harjo und Spalding die Gelegenheit, gemeinsam mit dem Gitarristen Matthew Stevens und dem Schlagzeuger Justin Tyson zu arbeiten.
Der Titelsong eröffnet das Album in einem schwebenden Raum im Jenseits – Harjos Rezitation erhebt sich über leuchtende Harmonien und Indie-Rock-Gitarrenklänge, geleitet von den Bildern eines Panthers und dem Raum zwischen Wachsein und Traum. „In unserer Familie sind wir mit dem Panther verwandt“, erklärt Harjo. „Wir brauchen neue Träume, um uns durch das zu navigieren, was uns bevorsteht.“ Das Album wechselt fließend zwischen verschiedenen Stimmungen: dem noir-angehauchten, funkgetriebenen „Rabbit Is Up to Tricks“; die marschierende, chaotische Welle von „I Pray for My Enemies“, in dem die indianische Flöte an eine Militärpfeife erinnert (in Harjos Interpretation von „When Johnny Comes Marching Home Again“) und das Gebet zur Konfrontation wird; und „Fear Redux“, das sich von einer knorrigen, treibenden Basslinie zu Gongs, Zärtlichkeit und Rückeroberung aufbaut, während die Angst benannt, konfrontiert und transformiert wird. An anderer Stelle spielt Harjo Musik von Charles Mingus und der indigenen A-cappella-Gruppe Ulali, würdigt James Brown und spielt gemeinsam mit der Singer-Songwriterin Ganavya.
Daneben ist das Album eine Hommage an Harjos Familie und ihr musikalisches Leben, das lange bevor sie als Dichterin bekannt wurde, seinen Anfang nahm. Als Kind hörte sie oft zu, wie ihre Mutter am Küchentisch der Familie Musik komponierte und auf Partys in der Gegend von Tulsa sang. Trotz des reichen musikalischen Lebens ihrer Mutter konnten die Normen und Anforderungen jener Zeit es ihr nicht erlauben, sich ganz der Kunst zu widmen. Während der Arbeit an dem Album entdeckte Harjos Schwester einen Song namens „My Guy“, den ihre Mutter in den 1950er- oder 1960er-Jahren geschrieben, aber nie veröffentlicht hatte. Harjo, Spalding und Stevens erwecken „My Guy“ auf diesem Album als jazzige Liebesballade wieder zum Leben, geprägt von Spaldings Gesang und untermalt von Harjos Altsaxophon. „Meine Mutter wäre so geehrt und begeistert, zu hören, wie Esperanza aus ihrer Songwriting-Kunst Gesangskunst macht“, schwärmt Harjo. „Was für eine Kombination!“
Auf „Insomnia and Seven Steps to Grace“ wird der Klang selbst zum Wegweiser und macht deutlich, dass Kunst keine Flucht vor schweren Zeiten ist, sondern ein Weg durch sie hindurch ist. „Wegen dem, was uns nachts wach hält“, schreibt Harjo, „den schlechten Träumen, den guten, der Zärtlichkeit, der Schönheit, dem Herzschmerz, dem Kampf: vereint in einem musikalischen Werk.“
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