Liminal Spaces sind Übergangsräume, Zustände des Dazwischenseins. Flughäfen verkörpern
genau das: nicht wirklich ‚hier‘, noch nicht ganz ‚dort‘, geprägt von funktionaler, unaufdringlicher
Architektur, doch durch persönliche Erinnerungen und Assoziationen mit Bedeutung erfüllt. Sie
bergen Momente des Aufbruchs, der Zugehörigkeit und Selbstverortung, vielleicht auch einer
Neuverhandlung von ‚Zuhause‘ und dem Gefühl des Zurückkehrens.
Mit Airports präsentiert der Saxophonist und Komponist Matti Klessascheck ein facettenreiches
Debütalbum, das sich diesem Schwebezustand widmet. Über dreizehn Songs hinweg bewegt sich
die Musik zwischen detaillierten, großformatigen Kompositionen und kompakten Miniaturen in
Solo-, Duo- und Trio-Besetzungen, die jeweils unterschiedliche Perspektiven auf das Thema
eröffnen.
Seine künstlerische Vision wird von einer spielfreudigen Band aus einigen der
vielversprechendsten jungen Talenten der deutschen Jazzszene und langjährigen Weggefährten
getragen. Mit reifem Zusammenspiel und starkem Gestaltungswillen verleiht das Ensemble den
Kompositionen einen lebendigen und eindringlichen Ausdruck, bringt große Unmittelbarkeit in
die Musik und formt die Stücke über ihre geschriebene Gestalt hinaus.
So greifen die von Leon Hattori gespielten Synth-Linien in Airports I subtil den Ansageklang des
Flughafens Köln/Bonn auf, während das Eröffnungsstück in seinem Gestus auf Brian Enos
genreprägendes Music for Airports verweist. Inspiriert von Wandelbarkeit von Erinnerungen
fügen Circular und Unfold Melodien mosaikartig zusammen, nur um sie von Bass, Schlagzeug und
Tenor wieder in hundert Teile fragmentieren zu lassen. Das kurze, in sich gekehrte Airports III lässt
Klavier und Saxophon den Raum verkleinern und birgt den Wunsch, der Augenblick möge noch
etwas länger verweilen.
Diese Musik trifft einen Nerv: Das Album wurde 2024 durch das LOFT Köln recording
project gefördert und mit dem Jury-Preis für Matti Klessascheck ausgezeichnet. Mit diesem
persönlichen, aus seinem Abschlussprojekt entstandenen Album zeigt er sich als neue,
eigenständige Stimme im zeitgenössischen Jazz und überzeugt als Saxophonist, Komponist und
Bandleader gleichermaßen.
Realisiert durch das LOFT Köln Recording Project 2024 und den Jurypreis, verliehen vom 2nd
FLOOR e.V.
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