Gerd Kühr / ensemble XX. jahrhundertStallerhof
Best-Nr:Q2501
Barcode:800679250122
VÖ Datum:27.03.2026
Label:Quinton Records
Labelcode:99999
Stil:Klassik/Allgemein

Unbequem, erschütternd und aktuell

Mit der Wiederveröffentlichung von Stallerhof bringt QUINTON RECORDS eine Oper in den Fokus, die auch heute noch wie ein Schlag in die Magengrube wirkt. Gerd Kührs Komposition zur Textvorlage von Franz Xaver Kroetz, 1988 bei der Münchener Biennale uraufgeführt, ist ein Werk, das soziale Realitäten nicht umspielt, sondern widerspiegelt.

Stallerhof erzählt von Angst, Ausgrenzung, Behinderung, Abhängigkeit, Machtmissbrauch, Härte – und den stillen Momenten, in denen sich Menschen trotz allem nach Nähe sehnen. Kührs Musik trifft dabei mitten ins Jetzt. Sie ist präzise wie Filmmusik, emotional direkt, atmosphärisch dicht. Sie arbeitet mit Spannungsbögen, die man eher aus dem Kino kennt, und verleiht Kroetz’ ungeschönter Sprache einen Klangraum, der alles Intensiv-Gesagte noch näher an die Hörenden heranrückt. Vibrierend vor unterdrückter Spannung, fragil und beinahe transparent – aber immer kompromisslos ehrlich. „Stallerhof ist ein Stück mit wenig Text, mit viel Unausgesprochenem also. Um das für Sänger einzurichten, bedurfte es irgendeiner Art von poetischer Ergänzung, Entsprechung. Mir kam die Idee, dass Introduktion und Zwischenaktsmusiken gesungen werden könnten. Ich bat Kroetz, selbst etwas zu schreiben. Er wandte aber sofort ein, er wolle sich nicht selbst kommentieren und schlug Bibeltexte vor, die inhaltlich zum Stück passten.“, kommentiert Gerd Kühr sein Werk und die Zusammenarbeit mit Franz Xaver Kroetz.

Das Ensemble XXI. Jahrhundert interpretiert diese Klarheit und Wucht mit einer beeindruckenden Präsenz. Die Musiker*innen schärfen die dramatischen Linien, legen psychologische Schichten frei und bringen jene Ambivalenzen ans Licht, die Stallerhof so zeitkritisch und zugleich zeitlos machen. Denn jeder Charakter dieser Oper – die Tochter, der Knecht, die Eltern – ist eine Figur, die uns auf irgendeine Weise bekannt vorkommt. Menschen in ihrer Überforderung. In ihrer Härte. Ihrer Sehnsucht. Ihrem Schweigen. Stallerhof hält uns einen Spiegel vor, in dem wir erkennen, was gesellschaftliche Normen auslösen können, wenn sie zu eng werden. Das Motiv: die Aufforderung zu Gehorsam, zu Anpassung, zu Stille – und die Frage, was passiert, wenn Menschen, die nicht in diese Form passen, trotzdem ihren eigenen Raum suchen. „Es soll ja kein Stück gegen den Katholizismus sein, sondern gegen diese tragische Unfähigkeit des Menschen, wirkliche Lehren aus den Geboten zu ziehen und sie auf die Wirklichkeit, das Zwischenmenschliche zu beziehen.“ Gerd Kühr. Stallerhof ist unbequem, eindringlich und erschütternd aktuell. Und gerade deshalb wichtig. Diese Einspielung macht ein Opernwerk zugänglich, das noch immer brennt – in seiner Menschlichkeit, seiner Brutalität und seiner ungefilterten Wahrhaftigkeit.

ensemble XXI. jahrhundert

Das ensemble XXI. jahrhundert wurde 1971 von Peter Burwik gegründet mit dem Ziel, die Musik des 20. Jahrhunderts bekannt zu machen und das Gegenwartsschaffen zu fördern. Schwerpunkte setzt das Ensemble auf die Zweite Wiener Schule und die klassische Moderne, bleibt dabei offen für aktuelle internationale Musikentwicklungen und versteht Kulturarbeit als Schnittstelle zu Politik  und Gesellschaft.

Das Ensemble trat im Wiener Konzerthaus, Musikverein und bei Wien Modern sowie bei bedeutenden Festivals in Österreich (u.a. Salzburger Festspiele, Steirischer Herbst, Carinthischer Sommer, Brucknerfest Linz) und international (u.a. Berliner Festspiele, Edinburgh Festival, Enescu Festival, Hong Kong Arts Festival, Huddersfield Festival, Musica Strasbourg, New Music Week Shanghai, Shanghai Spring Festival, Warschauer Herbst) auf und präsentierte aktuelle Programme auf Konzertreisen durch Europa, Asien, Nord- und Südamerika.

Gerd Kühr

Gerd Kühr absolvierte sein Kompositionsstudium am Mozarteum Salzburg bei Josef Friedrich Doppelbauer und bei Hans Werner Henze in Köln, sowie ein Dirigierstudium bei Gerhard Wimberger (Mozarteum) und Sergiu Celibidache. 1992 bis 1994 hatte Gerd Kühr eine Gastprofessur für Komposition am Mozarteum und ab 1994 in Graz inne, im Jahr 1995 wurde er ordentlicher Universitätsprofessor für Komposition und Musiktheo rie an der Universität für Musik und darstellende Kunst, Graz. Sein internationaler Durchbruch war die Uraufführung der Oper „Stallerhof“ (Libretto von Franz Xaver Kroetz) 1988 bei der 1. Münchener Biennale.

Gerd Kühr schuf zahlreiche Auftragswerke für Orchester, Ensemble, Kammermusik, Chor, die u.a. bei Wien Modern, dem Almeida Festival, dem Huddersfield Festival, dem stei rischen herbst, bei musica viva, dem Schleswig-Holstein Musik Festival, den Salzburger Festspielen und den Bregenzer Festspielen aufgeführt wurden. Gemeinsam mit dem Librettisten Hans-Ulrich Treichel entstand Gerd Kührs Oper „Paradiese“ – ein Auftragswerk der Oper Leipzig mit Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung, welche ihre Uraufführung an der Oper Leipzig im Jahre 2021 feierte. 2012 erhielt der Komponist den Österreichischen Kunstpreis für Musik, 2014 den Andrzej-Dobrowolski- Kompositionspreis des Landes Steiermark, 2022 folgte das „Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Kärnten“, 2023 das Ehrenzeichen des Landes Steiermark für Wissenschaft, Forschung und Kunst und zuletzt der „Große Österreichische Staatspreis 2023“.

Franz Xaver Kroetz

Franz Xaver Kroetz ist ein deutscher Regisseur, Schriftsteller, Theaterautor und Schauspieler. Er besuchte 1961 bis 1963 die Neue Münchner Schauspielschule und ab 1962 das Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Er durfte dort zwei Semester überspringen, wurde jedoch nach weiteren zwei Semestern 1964 vorzeitig entlassen. Seine Theaterlaufbahn begann er 1967 an kleineren Bühnen wie dem Münchner Büchner-Theater, Rainer Werner Fassbinders Antiteater und den Westfälischen Kammerspielen in Paderborn. 1969 kam er als Schauspieler an die Tegernseer Ludwig-Thoma-Bühne Rottach-Egern. Hier wurde noch im gleichen Jahr sein erstes Stück „Hilfe, ich werde geheiratet“ uraufgeführt. An diesem Theater sammelte er auch seine ersten Erfahrungen als Regisseur.

Angeregt von den Werken von Marieluise Fleißer und Ödön von Horváth schrieb er Dialektstücke über sozial Unterprivilegierte, um Verständnis für die Opfer der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu wecken. Kroetz avancierte bereits in den frühen 1970er Jahren zu einem der meistgespielten Autoren im deutschsprachigen Raum. Viele seiner Bühnenstücke wurden für das Fernsehen und den Hörfunk bearbeitet. Zahlreiche Auszeichnungen wie der Bertolt-Brecht-Literaturpreis, 1995, das Bundesverdienstkreuz am Bande 2005 und zuletzt 2008 der Bayerischer Filmpreis begleiten die Erfolge seines Schaffens.

  • 1
  • 1Introduktion03:30
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501001
  • 2Erster Akt, 1. Szene - In der Stube. Stallerin beim Kochen05:17
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501002
  • 3Erster Akt, 2. Szene - Beppi und Sepp im Stall bei der Arbeit06:34
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501003
  • 4Erster Akt, 3. Szene - Sepp sitzt auf dem Abort03:05
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501004
  • 5Erster Akt, 4. Szene - In der Stube. Abend05:43
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501005
  • 6Erster Akt, 5. Szene - Abend beim Stall03:47
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501006
  • 7Erster Akt, 6. Szene - Abend. Sepp in seiner Kammer mit seinem Hund, der frisst02:03
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501007
  • 8Intermezzo I02:50
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501008
  • 9Zweiter Akt, 1. Szene - Ein ländlicher, sehr kleiner Rummelplatz03:19
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501009
  • 10Zweiter Akt, 2. Szene - In Sepps Kammer. Sepp und Beppi02:53
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501010
  • 11Zweiter Akt, 3. Szene - Ein Gasthaus mit Garten05:27
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501011
  • 12Zweiter Akt, 4. Szene - In einem Schuppen03:48
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501012
  • 13Zweiter Akt, 5. Szene - In der Stube. Stallerin und Beppi01:24
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501013
  • 14Zweiter Akt, 6. Szene - Auf dem Feldboden05:52
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501014
  • 15Zweiter Akt, 7. Szene - Staller und Sepp in Sepps Kammer06:10
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501015
  • 16Zweiter Akt, 8. Szene - Im Stall. Junge Katzen in einer Ecke03:17
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501016
  • 17Zweiter Akt, 9. Szene - Auf dem Hof04:39
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501017
  • 18Zweiter Akt, 10. Szene - In der Kammer von Sepp04:35
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501018
  • 2
  • 19Intermezzo II03:03
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501019
  • 20Dritter Akt, 1. Szene - Kirchgang bei schlechtem Wetter, Choral, Frauenterzett04:40
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501020
  • 21Dritter Akt, 2. Szene - Abend in der Stube07:40
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501021
  • 22Dritter Akt, 3. Szene - Nacht. Staller und Stallerin im Ehebett04:01
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501022
  • 23Dritter Akt, 4. Szene - Hang mit Preißelbeerkraut03:32
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501023
  • 24Dritter Akt, 5. Szene - Abend in der Stube01:51
    Musik: Gerd KührText: Franz Xaver KroetzISRC: ATQ042501024
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Booklet
Musiker
  • Dorothe Kimmich: Mezzosopran
  • ensemble XX. jahrhundert
  • FRAUENTERZETT: Sarah Barrett, Marta Kosztolanyi (Sopran), Enikö Butkai (Mezzosopran)
  • Georg Paucker: Bariton
  • Gerd Kühr: Dirigent
  • Hubert Delamboye: Tenor
  • Raphaela Weil: Sopran
Mixer
  • Josef Schütz
Mastering
  • Andreas Rathammer
C2026 Quinton RecordsP2026 Quinton Records